Genieästhetik versus Schreiben als Handwerk

                                                             

Wer Schreiben als künstlerische Ausdrucksform  entdecken will, wird Spaß an den Methoden des  Kreativen Schreibens finden und ein Handwerk erlernen und vertiefen, von dem immer noch einige behaupten, es sei weder lehr-  noch lernbar.  Die Ansichten der Genieästhetik aus dem 18. Jahrhundert sind jedoch längst überholt. Literaturinstitute als Kaderschmieden zukünftiger AutorInnen können sich vor Anmeldungen kaum retten. In Deutschlands ältestem Literaturinstitut in Leipzig beispielsweise klopfen jährlich mehr als  600 BewerberInnen an, nur rund 20 können aufgenommen werden. In allen anderen universitären Schreibschulen, europaweit, sieht es ähnlich aus. Trotzdem brauchen die Abgewiesenen nicht auf den Musenkuss zu verzichten, denn es gibt laut den Leipziger Institutsleitern Josef Haslinger und Hans Ulrich Treichel „keinen Königsweg, um Schriftsteller zu werden“. Thomas Bernhard besuchte wahrscheinlich

auch kein Schreibseminar.

 

Der italienische Schriftsteller Umberto Eco schrieb in seinen „Streichholzbriefen“ für DIE ZEIT im Februar 1987:

 

„Der Mensch ist ein Wesen, das dazu neigt, sich interesselos auszudrücken, ohne ein praktisches Ziel, aus reinem Vergnügen am Ausdruck – durch Singen, durch Tanzen, durch Bilder, durch Worte und somit auch durch geschriebene Texte. Fast alle (jedenfalls in Italien) singen aus Freude am Singen, sei‘s einsam unter der Brause oder gemeinsam auf einem Fest, aber die Mehrheit denkt nicht daran, zur Scala zu gehen. Viele zeichnen und malen und zeigen womöglich im Freundeskreis Karikaturen, Skizzen und Aquarelle, aber sie streben nicht in die

Uffizien. Sehr viele spielen ein Instrument, tun sich zu Gruppen zusammen und geben kleine Konzerte, aber sie trachten nicht nach einem Auftritt in der Carnegie Hall. Und bringen sich nicht um, wenn sie‘s nicht schaffen. Mithin sollte auch das Schreiben von Gedichten, Geschichten, Tagebuchseiten und Briefen etwas sein, was alle tun, so wie man Fahrrad fährt, ohne dabei an den Giro d‘Italia zu denken“  (Eco 1987, S. 67).

 

Schreiben ist also keine geheimnisvolle Begabung.  Schreiben ist ein Handwerk, man erlernt es schreibend und lesend.

 

Im Mittelpunkt des Kreativen Schreibens stehen der persönliche Ausdruck, die Lust am Schreiben und Erzählen, die Freude am sprachlichen Gestalten.

 

/    Schreiben ermutigt zur Entwicklung eines persönlichen Stils und Ausdrucksvermögens,

/    Schreiben macht Spaß und fördert den spielerischen Umgang mit Sprache,

/    Schreiben schärft die eigene Reflexions- und Ausdrucksfähigkeit,

 /   Schreiben sorgt für die Qualität eigener Texte und für die Erweiterung des Wortschatzes.

 

Seit 2001 leite ich Schreibseminare und Textwerkstätten.

 

Lehren heißt, zeigen, was man liebt. Fulbert Steffensky

                                                                                                                                                                                                                      
Das Ziel meiner schreibdidaktischen Arbeit sehe ich in der Integration von Schreibprozess und Textproduktion in allen drei Arbeitsfeldern des kreativen, biografischen und literarischen Schreibens und den sich daraus ergebenden Säulen:

                                    - ästhetische Wahrnehmungsbildung und Stilarbeit 

                                    - Spiel, Spaß und Geselligkeit

                                    - Selbsterfahrung und Heilbehandlung
                                                                        
Das Bewusstsein über die eigene Schreibhaltung spielt beim Lehren eine große Rolle. Ich bemühe mich, selbstkritisch auf meinen eigenen Schreib-Standort, meine Fachlichkeit und auf produkt- und prozessorientiertes Lehren zu achten. 

Zu meiner Praxis:
Meine Schreibseminare sind konzipiert für EinsteigerInnen sowie fortgeschrittene SchreiberInnen; sie orientieren sich an deren Bedürfnissen und Erwartungen:

 

/  Schreiben als Medium, Kraftquelle und individuelles Ausdrucksmittel,
/  Schreiben als Selbsterkenntnis und Selbsterfahrung,
/  Spaß und Austausch unter Gleichgesinnten,

/  Bildung, Schreibqualifikation, Schreibkompetenz,
/  Wunsch nach Veröffentlichung.