Wir sind, was wir erinnern
Von Goethe („Dichtung und Wahrheit“) bis Stefan Zweig („Die Welt von gestern“), immer schon blickten Menschen gerne auf ihr Leben zurück, um sich schreibend zu erinnern, zu bilanzieren, um Lebenserinnerungen zu hinterlassen.
Der Brockhaus versteht Autobiografien als die älteste Gattung der Literatur, in der das eigene Leben oder einzelne Lebensphasen literarisch dargestellt werden:
„Seit dem 18. Jahrhundert gilt als Autobiographie im engeren Sinn die Aufzeichnung der Entwicklung des eigenen Ichs in seinen Beziehungen zur Umwelt; sie ist an den modernen Individualitätsbegriff gekoppelt“ (³2007, 52).
In meinen Biografieseminaren stelle ich hauptsächlich zwei Motive für die Teilnahme fest. Das ist zum einen das Bedürfnis, mehr über sich selbst zu erfahren („Wer bin ich?“), und zum anderen der Wunsch, entsprechendes Rüstzeug für Inhalt und Aufbau einer (Auto)biografie zu erhalten.
Als ressourcenorientierte Schreibpädagogin richte ich Schreibübungen zielgerichtet aus: Im Blickwinkel steht das Zusammenfügen (Versöhnen) von Altem und Neuen.
„Danke für die schönen Stunden, für die gemeinsam überwundenen Hürden, für die durch dich gezündeten Erleuchtungen“ (Deborah Sprenger).
„Für mich war es wichtig, dass die vorgelesenen Texte wertfrei aufgenommen wurden“ (Maria Sonntag).
„Ich mag es nicht, wenn mich jemand bemitleidet oder versucht, mir Ratschläge zu geben. Ich möchte, dass der Text so genommen wird, wie er da steht“ (Ida Rist).
Schreibhaltung
Qualität, Tiefe und Dichte des Schreibens nimmt zu, je besser ich über mich und meine Schreibhaltung Bescheid weiß, deshalb nimmt das biografische Schreiben neben den Möglichkeiten der Autotherapie, eine besondere Schlüsselstellung beim Schreiben ein.
Schreiben macht mutig und fördert das Selbstvertrauen
Wenn ich meine Gefühle benennen und beschreiben kann, verliere ich meine Angst vor ihnen und die Angst vor den Gefühlen meiner Figuren.